„In Deutschland führen die Falschen“

Nichts von dem Folgenden ist wirklich neu. Aber die Korrelation zwischen dem Hervorgehobenen und der schwindenden Bedeutung von Leitmythologien in den Prioritäten der Gesellschaft wird immer eklatanter sichtbar. Habe ich unrecht?

Verbandspräsident Sauer, Geschäftsführer Personal des Automobilzulieferers Faurecia und zuvor Personaldirektor von Airbus in Hamburg, hat gemeinsam mit dem Wirtschafts- und Arbeitspsychologen Alexander Cisik die häufigsten Fehler identifiziert, die bei der Besetzung von Führungspositionen gemacht werden. Die bevorzugte Beförderung von Fachleuten oder auch besonders durchsetzungsstarker Personen oder einfach derer, die am längsten dabei sind, steht dabei ganz oben auf der Mängelliste. „Soziale Kompetenz, Empathie oder die Fähigkeit zur Reflexion spielen dabei kaum eine Rolle“, sagt Sauer. Fatal sei, dass einer Studie der Hochschule Osnabrück zufolge dieser Mechanismus umso stärker greift, je hochrangiger die Führungsposition ist.

Zudem kritisiert Sauer eine Monokultur der Karriereoptionen. Der Wert eines Managers werde sehr stark an der Zahl der zu führenden Mitarbeiter gemessen. Nachwuchsmanager würden damit in die Führung gedrängt, auch wenn es geeignetere Karrierewege gäbe. „Dadurch verlieren wir gute Fachkräfte und gewinnen schlechte Führungskräfte.“

Aus Sauers Sicht zieht Führungsversagen viel zu selten Konsequenzen nach sich. „Verantwortungsträger, die wider besseres Wissen oder fahrlässig agieren, kommen zu häufig ungestraft davon“, sagt Sauer. Schlechtes Führungsverhalten sei für 82 Prozent der Unternehmen kein Anlass zur Trennung, zitiert er noch einmal die Studie aus Osnabrück. Für die meisten zähle, dass das operative Ergebnis stimme. Dagegen würden die Möglichkeiten für Führungskräfte, einmal innovative und riskantere Wege zu gehen, systematisch beschnitten.

(Hervorhebungen von mir, Quelle)

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