„The words of the prophets“

The words of the prophets
Are written on the subway walls
And tenement halls

Das Lied kenne ich seit der Schulzeit. Der Vater eines Klassenkameraden hatte mir (ich nehme an, das war so 7. Klasse) „Sounds of silence“ vorgespielt und mir einiges über die Bedeutung des Titels für die Flower power – Generation erzählt. Alles etwas linksliberal, und natürlich sehr konkret politisch-sozialkritisch: Kultur als Recht der Benachteiligten, die sich für ihre Poesie oder Kunst nun mal nicht Leinwand oder edle Paperblanks leisten könnten, deswegen Graffiti in Bahnhöfen. Oder so ähnlich. Ist auch alles ganz gut und richtig.

Vorgestern kamen mir die obigen Zeilen wieder in den Sinn, jedoch in anderem Kontext. Die Parallele zum Zitat aus den Apokryphen …

„Das Reich des Vaters ist schon ausgebreitet über die Erde, doch sehen es die Menschen nicht“ *

… war plötzlich augenfällig. Ich weiß nicht, ob Paul Simon diese Lesart beabsichtigt hatte, aber ich habe schon mehrfach festgestellt, dass seine Texte große „wahrheitssuchende“ Tiefen enthalten — seine kurze Abhandlung beispielsweise über die Liebe in Form eines Popsongs ist großes Kino.

Ist demnach der „Klang der Stille“ ein Lied über das Suchen nach dem Kontakt zur Transzendenz? Ein Lied über die Unmöglichkeit, diese Erfahrungen mitzuteilen und zugleich über die Wahrheit, dass sie im Hier und Jetzt erfahrbar ist?

Lest den Text nochmal, mich interessieren Eure Gedanken dazu!

*=(aus dem Logion 113 des Thomasevangeliums)

Interessante Gedanken? Diskutieren Sie mit in einer Mythologischen Tafelrunde!